Nachfolge im Mittelstand in Zahlen: KfW, IfM und DIHK
8. November 2026 · Maximilian Günes · 5 Min. Lesezeit
Wie viele Firmen in Deutschland suchen gerade einen Nachfolger? Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an, wen man fragt und wie man zählt. Drei Stellen veröffentlichen regelmäßig Zahlen, die KfW, das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn (IfM) und der DIHK. Sie messen Verschiedenes, und deshalb sehen die Zahlen auf den ersten Blick widersprüchlich aus. Hier sind die neuesten, nebeneinander, mit dem, was sie bedeuten.
Die KfW: Was die Inhaber planen
Die KfW fragt jedes Jahr Inhaber kleiner und mittlerer Firmen nach ihren Plänen. Ihr neuestes Nachfolge-Monitoring Mittelstand ist am 9. Januar 2026 erschienen.
Bis Ende 2029 wollen rund 545.000 der insgesamt 3,87 Millionen mittelständischen Unternehmen eine Nachfolge. Das sind etwa 109.000 im Jahr. Allein bis Ende 2026 planen rund 186.000 Inhaber ihren Rückzug mit Nachfolge.
Die zweite Zahl ist die unangenehmere. Bis Ende 2029 wollen rund 569.000 Inhaber ihre Firma nach dem eigenen Rückzug nicht weiterführen lassen, sondern schließen. Rund 114.000 im Jahr. Zum ersten Mal planen damit etwas mehr Inhaber eine Stilllegung als eine Nachfolge. Für 47 % derer, die schließen wollen, ist fehlendes Interesse in der Familie ein Grund.
Die Inhaber werden älter. 2025 waren 57 % der mittelständischen Unternehmer 55 Jahre oder älter, mehr als zwei Millionen Menschen. Vor 20 Jahren waren es 20 %. Das Durchschnittsalter liegt bei gut 54 Jahren. Wer bis Ende 2026 übergeben will, ist im Schnitt 66,5 Jahre alt.
Und die Suche ist schwer. 69 % der Mittelständler sehen es als Hemmnis, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Von denen, die eine Nachfolge planen, hatten erst 26 % jemanden gefunden.
Das IfM: Wie viele Firmen übergabereif sind
Das IfM Bonn rechnet anders. Es fragt nicht nach Plänen, sondern schätzt aus Statistiken, wie viele Familienunternehmen so viel Gewinn machen, dass sich eine Übernahme lohnt, und deren Inhaber aus Alters- oder Gesundheitsgründen aufhören. Diese Firmen nennt das IfM übergabereif.
Für 2026 bis 2030 kommt das IfM auf etwa 186.000 übergabereife Unternehmen in ganz Deutschland. Im Zeitraum 2022 bis 2026 waren es etwa 190.000. Die Zahl stagniert also. Aufs Jahr gerechnet sind das rund 37.000.
Warum so viel weniger als bei der KfW? Weil das IfM nur Firmen zählt, die es für übernahmewürdig hält, also mit einem Gewinn über einer bestimmten Schwelle. Die KfW zählt alle Inhaber, die eine Nachfolge wollen, auch sehr kleine Firmen. Beide Zahlen stimmen. Sie beantworten verschiedene Fragen.
Das IfM nennt auch, wer übernimmt. Nach seiner Auswertung mehrerer Studien gehen 54 % der Übergaben an die Familie, 17 % an Beschäftigte und 29 % an Externe. Die meisten Übergaben gibt es in Nordrhein-Westfalen.
Der DIHK: Was in den Beratungen passiert
Der DIHK wertet aus, wer sich bei den 79 Industrie- und Handelskammern zur Nachfolge beraten lässt. Sein Report von 2025 bezieht sich auf das Jahr 2024.
2024 ließen sich 9.636 Unternehmen beraten, die abgeben wollen, so viele wie nie seit 2007. Ihnen standen 4.016 Interessenten gegenüber, die eine Firma übernehmen wollen. Das waren deutlich mehr als im Jahr davor mit 2.760. Trotzdem kommen rein rechnerisch auf jeden Interessenten mehr als zwei Firmen, je nach Branche sehr unterschiedlich. In der Logistik sind es etwa vier, im Gastgewerbe fast 3,5, in der Industrie 1,3. Für 5.620 Firmen gab es keinen möglichen Nachfolger.
27 % der beratenen Abgeber erwägen, ihre Firma zu schließen. 49 % hatten zum Zeitpunkt der Beratung noch niemanden gefunden.
Bei den Hürden nennt der DIHK drei Zahlen, die jeder Verkäufer kennen sollte. 38 % der Alt-Inhaber sind schlecht vorbereitet, weil sie sich zu spät mit der Nachfolge befassen. 36 % verlangen nach Einschätzung der IHKs einen überhöhten Kaufpreis. Und 28 % fällt es schwer, emotional loszulassen. Auf der anderen Seite haben vier von zehn Interessenten Probleme mit der Finanzierung.
Und die Preise?
Die KfW fragt auch, was Inhaber für ihre Firma haben wollen. Für Nachfolgen zwischen 2025 und 2029 liegt der Wunschpreis im Schnitt bei rund 499.000 €, im Median bei 375.000 €. 2019 lag der Median noch bei 175.000 €. Im Schnitt entspricht der Wunschpreis dem 1,2-fachen Jahresumsatz, im Median dem 0,6-fachen. Mehr als jeder vierte Inhaber setzt über eine Million an.
Das sind Wünsche, keine Kaufpreise. Was Käufer tatsächlich zahlen, hängt vor allem am Ertrag. Wie man das rechnet, erklären wir in einem eigenen Beitrag zum Firmenwert.
Was heißt das für Sie als Verkäufer?
Vier Dinge lese ich aus diesen Zahlen.
Erstens: Sie sind nicht allein, und das ist ein Problem. Viele Firmen suchen zur selben Zeit, und bei den IHKs kommen auf jeden Interessenten mehr als zwei Firmen. Wer gefunden werden will, muss sich besser zeigen als die anderen, und zwar bei den richtigen Leuten.
Zweitens: Früh anfangen lohnt sich messbar. Fast vier von zehn Inhabern sind laut DIHK zu spät dran. Wer mit 60 anfängt, hat Zeit für einen zweiten Anlauf. Wer mit 66 anfängt, oft nicht.
Drittens: Der Preis muss zu den Zahlen passen. Mehr als ein Drittel der Inhaber verlangt laut IHKs zu viel. Ein Käufer muss den Kaufpreis finanzieren, und seine Bank rechnet nach. Eine realistische Spanne am Anfang spart Monate.
Viertens: Die Familie fällt oft aus. Wenn fast die Hälfte der Schließungspläne mit fehlendem Familieninteresse zusammenhängt, kommt es auf Mitarbeiter und externe Käufer an. Die muss man erst einmal finden.
Woher die Zahlen kommen
Alle Zahlen stammen aus den Veröffentlichungen, die unten unter Quellen stehen, jeweils mit dem Tag, an dem wir sie gelesen haben. Wenn die KfW, das IfM oder der DIHK neue Zahlen veröffentlichen, passen wir diesen Beitrag an und vermerken das Datum oben.
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