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Was ist meine Firma wert? Ertragswert, Multiplikatoren, echte Preise

8. November 2026 · Maximilian Günes · 6 Min. Lesezeit

Ihre Firma ist so viel wert, wie ein Käufer dafür zahlt und finanziert bekommt. Das ist keine Ausrede, das ist die wichtigste Regel beim Firmenwert. Alles andere sind Methoden, um sich diesem Preis vorher zu nähern.

Die gute Nachricht: Diese Methoden sind kein Geheimwissen. Wer sie einmal verstanden hat, kann seine eigene Preisvorstellung prüfen, bevor er mit einem Käufer spricht.

Was Inhaber sich wünschen

Die KfW fragt Inhaber regelmäßig, welchen Preis sie sich vorstellen. Für Nachfolgen zwischen 2025 und 2029 liegt der Wunsch im Median bei 375.000 €, im Durchschnitt bei rund 499.000 €. Das entspricht im Schnitt dem 1,2-fachen Jahresumsatz.

Gleichzeitig schätzen die IHKs, dass 36 % der Inhaber, die sie beraten, einen überhöhten Kaufpreis verlangen. Fast ein Viertel wartet mit der Übergabe, weil es auf einen höheren Preis hofft. Das steht im DIHK-Report Unternehmensnachfolge 2025.

Beides zusammen zeigt das Problem. Der Wunsch ist eine Zahl. Der Preis ist eine Verhandlung, und die gewinnt, wer die besseren Argumente hat.

Worauf Käufer schauen: den Gewinn, nicht den Umsatz

Ein Käufer kauft nicht Ihre Maschinen und nicht Ihren Umsatz. Er kauft das Geld, das die Firma in Zukunft verdient, ohne Sie. Deshalb fangen fast alle Bewertungen beim Gewinn an.

Aber nicht beim Gewinn aus Ihrer Steuererklärung. Der ist für einen Käufer oft zu niedrig oder zu hoch. Zu niedrig, wenn Sie private Kosten über die Firma laufen lassen. Zu hoch, wenn Sie sich als Inhaber kein marktübliches Gehalt zahlen.

Deshalb wird der Gewinn bereinigt. Typisch sind diese Korrekturen:

  • Ihr eigenes Gehalt wird durch das ersetzt, was ein angestellter Geschäftsführer kosten würde.
  • Einmaliges fliegt raus: ein Versicherungsschaden, ein Grundstücksverkauf, eine große Einzelreparatur.
  • Private Kosten, die über die Firma laufen, werden herausgerechnet.
  • Mieten an Sie selbst oder Ihre Familie werden auf das marktübliche Niveau gesetzt.

Was übrig bleibt, ist der nachhaltige Gewinn. Meistens wird er als EBITDA angegeben, also vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Bei sehr kleinen Firmen rechnen manche Käufer stattdessen mit dem, was der Inhaber insgesamt aus der Firma zieht.

Methode eins: der Multiplikator

Die schnellste Schätzung ist der Multiplikator. Man nimmt den bereinigten Gewinn und multipliziert ihn mit einem Faktor, den Käufer in Ihrer Branche und Größe gerade zahlen.

Woher kommen diese Faktoren? Für kleine und mittlere Firmen veröffentlicht die Deutsche Unternehmerbörse DUB vierteljährlich die KMU Multiples. Sie beruhen auf Einschätzungen von mehr als 25 M&A-Beratern und Finanzinstituten. Für das dritte Quartal 2026 nennt die DUB zum Beispiel diese Spannen auf das EBITDA, jeweils für Firmen unter 5 Millionen € Umsatz:

  • Bauhaupt- und Baunebengewerbe (Handwerk): 3,7 bis 5,0
  • Maschinen- und Anlagenbau: 3,6 bis 5,1
  • Transport, Logistik und Spedition: 3,7 bis 5,0
  • IT-Services und Systemhäuser: 5,2 bis 6,7

Größere Firmen erzielen höhere Faktoren. Im Maschinenbau liegt die Spanne zwischen 5 und 50 Millionen € Umsatz bei 4,6 bis 6,0, darüber bei 5,6 bis 7,3.

Ein Rechenbeispiel mit runden Zahlen, keine echte Firma: Ein Baubetrieb mit 3 Millionen € Umsatz hat nach allen Bereinigungen ein EBITDA von 300.000 €. Mal 3,7 bis 5,0 ergibt einen Unternehmenswert von 1,11 bis 1,5 Millionen €. Davon gehen noch Schulden ab, und überschüssige Liquidität kommt dazu. Was dann übrig bleibt, ist ungefähr der Preis für die Anteile.

Ein Multiplikator ist eine Schätzung, keine Bewertung. Er sagt, was für eine durchschnittliche Firma dieser Art bezahlt wird. Ihre ist nicht durchschnittlich.

Methode zwei: der Ertragswert

Gutachter und Wirtschaftsprüfer rechnen meist mit dem Ertragswert. Die Idee: Was ist heute ein Gewinnstrom wert, den die Firma in Zukunft Jahr für Jahr abwirft? Dafür wird der erwartete Gewinn mit einem Zinssatz abgezinst, der das Risiko der Firma widerspiegelt. Je riskanter, desto höher der Zins, desto niedriger der Wert.

Das Finanzamt hat dafür eine eigene, vereinfachte Fassung, etwa für die Erbschaft- und Schenkungsteuer. Grundlage ist der Durchschnitt der Betriebsergebnisse der letzten drei Wirtschaftsjahre (§ 201 BewG). Dieser Jahresertrag wird mit einem festen Kapitalisierungsfaktor multipliziert (§ 200 BewG), der zurzeit 13,75 beträgt (§ 203 BewG).

Ein Faktor von 13,75 klingt nach viel mehr als 3,7 bis 5. Das liegt auch daran, dass das Finanzamt mit einem anderen Ergebnis rechnet: nach Abzug eines angemessenen Unternehmerlohns und pauschal 30 % für die Ertragsteuern (§ 202 BewG). Vor allem aber ist das vereinfachte Verfahren für die Steuer gemacht, nicht für den Markt. Das Gesetz sagt selbst, dass man es nur anwenden darf, wenn es nicht zu offensichtlich unzutreffenden Ergebnissen führt (§ 199 BewG). Für Ihre Preisvorstellung beim Verkauf ist es kein guter Maßstab. Das ist allgemeine Information, keine Steuerberatung.

Was den Wert nach oben oder unten treibt

Zwei Firmen mit demselben Gewinn können sehr unterschiedlich viel wert sein. Käufer zahlen mehr, wenn das Risiko kleiner ist. Und sie zahlen weniger, wenn sie fürchten, dass der Gewinn mit Ihnen geht.

Diese Fragen stellt fast jeder Käufer:

  • Hängt die Firma an Ihnen? Wenn alle Kunden Sie persönlich kennen und alle Entscheidungen bei Ihnen liegen, sinkt der Wert.
  • Hängt sie an wenigen Kunden? Macht ein Kunde ein Drittel des Umsatzes, ist das ein Risiko, das der Käufer einpreist.
  • Gibt es wiederkehrenden Umsatz? Wartungsverträge, Abos oder Rahmenverträge sind mehr wert als Einzelaufträge.
  • Wie sieht der Trend aus? Drei Jahre steigender Gewinn sind etwas anderes als drei Jahre fallender.
  • Steht eine große Investition an? Eine Halle, die saniert werden muss, oder Maschinen am Ende ihrer Lebenszeit ziehen den Preis nach unten.
  • Bleiben die Schlüsselleute? Ein Werkstattleiter oder Vertriebschef, der mitgeht, ist dem Käufer viel wert.

Das Gute daran: An fast allem davon können Sie in den Jahren vor dem Verkauf arbeiten.

Was der Käufer finanzieren kann

Die meisten Käufer kleiner Firmen zahlen nicht aus eigener Tasche. Sie bringen einen Teil Eigenmittel mit und finanzieren den Rest über die Bank, oft mit Förderkrediten der KfW. Die Bank prüft dann, ob Zins und Tilgung aus dem Gewinn der Firma bezahlt werden können.

Das setzt dem Preis eine natürliche Grenze. Ein Preis, den keine Bank finanziert, ist kein Preis, sondern ein Wunsch. Fragen Sie sich deshalb: Kann ein Käufer mit diesem Gewinn diesen Kaufpreis in sieben bis zehn Jahren abbezahlen? Wenn nicht, wird es schwer.

Wie wir bei Flipfirma rechnen

Wenn Sie bei uns ein Kurzprofil anlegen, rechnen wir aus Ihren Angaben eine erste Wertspanne. Ihr bereinigtes Ergebnis mal der DUB-Spanne für Ihre Branche und Größe, mit Quelle und Stand. Bei sehr kleinen Firmen ziehen wir vorher ein Geschäftsführergehalt ab.

Diese Spanne ist eine Schätzung auf Basis Ihrer Angaben. Sie ersetzt kein Gutachten. Käufer sehen sie nicht. Sie sehen nur Ihr Preisband. Die Spanne ist für Sie gedacht: damit Sie wissen, ob Ihre Vorstellung in die Nähe dessen kommt, was der Markt zahlt.

Mein Rat: Holen Sie sich vor dem Verkauf eine solche Schätzung, ob bei uns oder woanders, und sprechen Sie dann mit Ihrem Steuerberater über den bereinigten Gewinn. Das ist die Zahl, über die am Ende verhandelt wird. Wer die Zahlen zur Nachfolge insgesamt sehen will, findet sie in unserem Beitrag Nachfolge im Mittelstand in Zahlen.

Vertraulich verkaufen oder kaufen

Der Abgleich läuft über Linkbot: Beide Seiten werden geprüft, Vorschläge bleiben verdeckt, Namen gibt es erst nach beidseitiger Zustimmung.

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